Lesen



 
                              



    Alle Betätigung um das Pferd muss erlernt werden. Suchend im Sattel zu sitzen, dem Lehrer zuzuhören und Fragen zu stellen und zu lesen und nachzudenken, ist nutzbringender als sich auf den Lorbeeren des "Talents" auszuruhen oder darauf zu vertrauen, dass Können und Verstehen "mit der Zeit kommen" werden. Wirkliches Lernen ist ein schwieriges Unterfangen und dem, was man auf sich selbst gestellt erreichen kann, sind qualitative und quantitative Grenzen gesetzt: Der Grad des Könnens und die Tiefe des Verstehens hängen vom Maß und von der Vielfältigkeit des tatsächlich selbst Erlebten, von der Tiefe der Auffassung des Gelernten und dem Schatz des von Lehre(r)n zur Verfügung Gestellten ab und nur wenn dies alles sehr reichhaltig ist, kann man überhaupt hoffen, je über die Grenzen des simplen Empirismus, des Dilettantismus oder des nebulosen Theoretisierens hinauszukommen.


    Den Titel "Lehrer" verdienen eigentlich nur jene, deren Erfahrung und das daraus und durch Studium von ihnen Selbsterreichte so weit über die der Schüler hinausgehen, dass diese durch die Eröffnung neuer Horizonte zur Erweiterung ihres Wissens, zur Vertiefung ihres Verstehens und zur Verfeinerung ihres Könnens finden. Gute Lehrer sind nicht die, von denen wir "Neues" lernen, sondern diejenigen, ohne welche wir das, was wir gelernt haben, niemals hätten lernen können. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Lehrer ihr Wissen und Können über ihren eigenen Empirismus und den der Schüler hinausgehend zu formulieren imstande sind: Sie müssen Zugang zu einer "neuen Welt" bieten, d.h. per se abstraktes Material (Ungeahntes, Unvorstellbares, Unbekanntes) so vermitteln, dass unsere Praxis dadurch neue Formen annimmt. Unter der Leitung solcher Lehrer verändert sich das Lernen, es wird für die Schüler von einer Suche nach Kompetenz oder von einer selbstzentrierten Findung eines eigenen Weges zu einer Einführung, zu einer Initiation des Individuums in das kollektive Kulturgut des Equestrischen. Man kann besser reiten lernen, doch versichert dies nicht, dass man Reiter wird; unter kompetenter Instruktion und Führung wird man Reiter und reitet daher besser.


    Solches Studieren sucht folglich nach den reichsten Quellen akkumulierten Wissens über Pferd und Reiten. Die "Alten Meister" sind jene, deren Wissen sich bei der größten Zahl Studierender - über die längste historische Zeitspanne, unter epochal unterschiedlichsten Umständen - so sehr als fundiert bewahrheitet hat, dass mit ihrer Hilfe immer neue Generationen von wahren Lehrern sich formen konnten (von denen wiederum einige wenige ihrerseits zu Meistern wurden). Die Alten Meister sind die großen Lehrer.

    Viele der Werke der "Alten Meister" aber stammen aus fernen Zeiten, aus fremden reiterlichen Kulturen, sind in anderen Sprachen verfasst und viele Interessierte sehen sich daher der Bereicherung, die die Lektüre dieser Texte bringen könnte, beraubt. Unterrichtende können diese pädagogische Rolle oft nicht erfüllen oder sehen davon ab und deshalb ist das selbständige Studium der großen Meister so wichtig.

    Die Alten Meister mögen uns entrückt scheinen und wir könnten meinen, dass wir in der Moderne sehr viel besser wissen und viel Fortschritt gemacht haben und folglich auf ihren Beitrag verzichten können.  Den unermesslich reichen  Erfahrungs- und Einsichtsschatz unserer Vorgänger aber zur Seite zu lassen - sei es, weil wir darüber hinwegsehen, sei es weil er uns unerreichbar ist - stellt eine Verarmung unserer kollektiven und individuellen reiterlichen Kultur dar. Nichts darf unversucht bleiben, um die Erfahrungen und Einsichten der Alten Meister zugänglich zu machen. 


    Die Übersetzungen wichtiger Texte, die ich bisher publiziert habe bzw. die ich bald publizieren werde, wollen dazu ein Beitrag sein.

 

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